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Der
gründer
Das
ehrwürdige Kolleg Capranica ist eines der bedeutendsten kirchlichen
Einrichtungen der Stadt und rühmt sich einer langen und glänzenden
Geschichte. Am 5. Januar 1457 gründete Kardinal Domenico Capranica
(1400-1458) ein Kolleg, welchem er den Namen seiner Familie gab, mit
dem Ziel, den weniger wohlhabenden Jugendlichen der Stadt Rom die
Möglichkeit einer angemessenen Priesterausbildung bieten zu können.
Eine solche Gründung geschah im Rahmen einer Reihe von ähnlichen
Unternehmungen, die, als Eigenart im Rom des 15. Jahrhunderts, durch
das wachsende Augenmerk auf die kirchliche Instruktion angeregt
wurden. Die Absichten des Gründers verstehen sich deshalb als
Antwort auf das Erfordernis, der Gesellschaft der Zeit einen Klerus
zu bieten, der in kultureller und spiritueller Hinsicht besser
vorbereitet ist. Von daher rührt die Besonderheit und
Einzigartigkeit der Identität des Capranica.
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Die
anfänge
Das Kolleg wurde von seinem Gründer mit einem soliden
wirtschaftlichen Fundament ausgestattet, um so seine finanzielle
Eigenständigkeit zu gewährleisten. Kardinal Domenico selbst
verfasste seine Konstitutionen, die mit mancher Ergänzung bis ins
20. Jahrhundert neu aufgelegt wurden. Das Kolleg Capranica öffnete
1459 seine Tore für etwa 30 Schüler und wurde der Sorge der
römischen Erzbruderschaft vom Heiligsten Erlöser ‚ad Sancta
Sanctorum’ anvertraut, deren Mitglied Kardinal Capranica seit 1452
war. Einiger Jahre später, 1478, war es Kardinal Angelo Capranica
(1423-1478), der von Papst Sixtus V. die Genehmigung erhielt, einen
besonderen Sitz für das Kolleg zu errichten, nämlich neben dem alten
Palazzo Capranica bei der Kirche Santa Maria in Aquiro. Der Titel ‚ehrwürdig/
lebensspendend’ (ital. ‚almo’), dessen sich das Kolleg rühmt,
erinnert mit größter Dankbarkeit an jene Oberen und Schüler, die
während des ‚Sacco di Roma’ von 1527 bei der Porta Santo Spirito ihr
Leben zur Verteidigung des Papstes opferten.
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Während die verwaltungstechnische Führung in den Händen der
Bruderschaft vom Heiligsten Erlöser verblieb, so kam die Aufgabe,
dem Kolleg Schüler zur Aufnahme zu empfehlen, berühmten Vertretern
des römischen Adels, die in irgendeiner Weise der Familie Capranica
nahe standen, und den Vorstehern der Stadtviertel zu. Die Studenten
mussten die Hochschulkurse der Theologie und des Kirchenrechts an
der Universität der ‚Sapienza’ besuchen (das ‚Studium Urbis’), ab
der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aber gingen sie auf das nahe
‚Collegio Romano’, errichtet und geleitet von den Patres der
Gesellschaft Jesu, die erst vor kurzem gegründet worden war. Seit
1592 taucht im Kolleg an der Seite des Rektors eine neue Gestalt
eines Vorgesetzten auf: der Kardinal Protektor. Der Bischof von
Albano, Kardinal Michele Bonelli, war der erste dieser Art. 1661
reformierte Papst Alexander VII. die Praxis der Ernennung des
Rektors, die bis dahin den Händen der Schüler selbst anvertraut und
auf ein Jahr befristet war, und unterstellte sie der Gutheißung der
Heiligen Stuhls.
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Die
Päpste des Capranica
Das napoleonische Kapitel in der Geschichte Roms prüfte das Kolleg
schwer, das im Zeitraum zwischen 1797 und 1807 seine Tätigkeit
unterbrechen musste, um sie dann mit der Wiederherstellung der
Einrichtung und seines Vermögens langsam wieder aufzunehmen. Im
Verlauf des 19. Jahrhunderts setzte sich das Kolleg Capranica
allmählich als Bildungseinrichtung von herausragender Qualität wie
auch als Seminar von handfester Spiritualität durch. Die Beziehungen
zur Päpstlichen Universität Gregoriana und zur ‚Accademia
Ecclesiastica’ wurden immer intensiver und fruchtbarer, soweit, dass
nicht wenige der Schüler zur Ausübung hoher Ämter im Dienste des
Heiligen Stuhls berufen wurden.
Im Jahre 1917 vertraute Papst Benedikt XV. (der ehemalige
Capranica-Schüler Giacomo della Chiesa) den Schülern des Kollegs,
mit dem ‚motu proprio’ Nobilissimam, „zur Würde des Gotteshauses“
und „zum Glanze der Zeremonien“, die Sorge für den liturgischen
Dienst bei den Feierlichkeiten der Patriarchalbasilika S. Maria
Maggiore an. Zwischen 1953 und 55 wurde das Gebäude des Kollegs dem
tief greifenden Eingriff einer Umstrukturierung unterzogen, der
dessen Aussehen merklich veränderte. Die Einweihung des ‚neuen
Kollegs’ wurde besiegelt durch den denkwürdigen Besuch Papst Pius’
XII. (des ehemaligen Schülers Eugenio Pacelli), der am 21. Januar
1957 stattfand, am Fest der Patronin, der hl. Agnes, - 500 Jahre
nach der Gründung. Das Kolleg Capranica nahm intensiv am
Erneuerungsprozess der Kirche teil, wie er vom Zweiten Vatikanischen
Konzil vorangetrieben wurde, achtsam auf die neuen theologischen und
kulturellen Ausarbeitungen, welche in jenen Jahren zur Formulierung
kamen. Mit dem Breve Propenso et sollicito animo (vom 28. Juni 1971)
setzte Papst Paul VI. eine Bischöfliche Kommission päpstlicher
Ernennung zur Leitung des Seminares ein.
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Am 21.
Januar 1980 stattete Johannes Paul II. dem Kolleg Capranica einen
Besuch ab, wobei er der in Konzelebration gefeierten Hl. Messe
anlässlich des Festes der hl. Agnes, der Patronin des Kollegs,
vorsaß, seine Oberen und Schüler traf und mit ihnen zusammen an
einem Tisch aß. Im August 1982 approbierte der Heilige Vater das
neue Statut des Kollegs Capranica, welches in voller Kontinuität und
im Geiste ständiger Erneuerung (so wie es in der Konstitution des
Gründerkardinals selbst vorgesehen war) das Gesicht und das
Ausbildungs-konzept des Ehrwürdigen Kollegs Capranica vorgibt als „kirchliche
erzieherische Gemeinschaft, in welcher sich die Schüler für das
Priesterlichen Amt formen lassen“ (Art. 4). Am 21. Januar 1992 ist
Johannes Paul II. in seiner ausnehmenden Väterlichkeit, seiner
erleuchteten Lehre und in seiner Offenheit, Leben und Gebet mit
allen zu teilen, ein weiteres mal gekommen das Kolleg zu besuchen -
es war das Fest der hl. Agnes.
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