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Der gründer


           
Das ehrwürdige Kolleg Capranica ist eines der bedeutendsten kirchlichen Einrichtungen der Stadt und rühmt sich einer langen und glänzenden Geschichte. Am 5. Januar 1457 gründete Kardinal Domenico Capranica (1400-1458) ein Kolleg, welchem er den Namen seiner Familie gab, mit dem Ziel, den weniger wohlhabenden Jugendlichen der Stadt Rom die Möglichkeit einer angemessenen Priesterausbildung bieten zu können. Eine solche Gründung geschah im Rahmen einer Reihe von ähnlichen Unternehmungen, die, als Eigenart im Rom des 15. Jahrhunderts, durch das wachsende Augenmerk auf die kirchliche Instruktion angeregt wurden. Die Absichten des Gründers verstehen sich deshalb als Antwort auf das Erfordernis, der Gesellschaft der Zeit einen Klerus zu bieten, der in kultureller und spiritueller Hinsicht besser vorbereitet ist. Von daher rührt die Besonderheit und Einzigartigkeit der Identität des Capranica.


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omenico Capranica

        Domenico, mit welchem der Aufstieg der Familie begann (die ihren Namen ursprünglich von der Capranica Prenestina übernahm, einem Lehensgut, das bis 1563 der Familie Colonna gehörte), wurde zur herausragenden Persönlichkeit im Rom der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Mit seinem Jahrhundert geboren begann - nach Studien in Padua und Bologna - seine kirchliche und politische Laufbahn unter dem Colonna-Papst Martin V.: 1423 Kleriker der Apostolischen Kammer, im folgenden Jahr Bischof von Fermo, im Jahre `26 Statthalter der Provinz Romagna und 1430 Kardinal der Titelkirche Santa Maria in Via Lata.

Nach dem Tod seines Vaters wurde ihm diese Würde abgestritten und erst zwei Jahre später während seiner Teilnahme am Konzil von Konstanz wieder zuerkannt, jenem Konzil, bei welchem Capranica auch von `38 -`43 unter dem Pontifikat Eugens IV. mitwirkte und mitreiste, als dieses erst nach Ferrara und dann nach Florenz verlegt wurde. 1443 wurde er zum Generalvikar der Mark Ancona befördert. Von Nikolaus V. erhielt Domenico im Jahre `49 die Ernennung zum obersten Pönitentiar, die ihn im nahen Jubiläumsjahr in Anspruch nehmen sollte und so seine dauerhafte Anwesenheit in Rom erforderte; um diesen Zeitpunkt herum nahm er die Arbeiten zu seiner neuen Residenz nahe dem Pantheon (an der Piazza Santa Maria in Aquiro) in Angriff. Im Jahre `53 erwarb er sich beim Papst Verdienste, als er die Verschwörung des Stefano Porcari aufdeckte, und im letzten Abschnitt seines nicht langen Lebens erfüllte er bedeutende diplomatische Aufgaben, insbesondere beim König von Neapel, Alfons V. von Aragon. Domenico Capranica war ein guter Humanist (in seinem Palazzo sammelte er eine wertvolle Bibliothek von Kodizes an, heute Teil der Vatikan-Bibliothek), vor allem aber ein Freund theologischer und philosophischer Studien und Verfasser von Schriften zu moralischen, kirchlichen und politischen Themen.
 

Zwei Jahre vor seinem Tod gründete er das „Kolleg der armen Schulpflichtigen der ‚Sapienza Firmana’“ (wie der ursprüngliche Name lautete, begründet durch sein Amt als Bischof von Fermo; aus diesem Grund wurde auch der Platz für gewisse Zeit nach dem ‚Kardinal von Fermo’ benannt), bestimmt für Jugendliche aus bescheidenen Verhältnissen, die gebürtig aus Rom stammten, mit Ausnahme aber auch für solche aus Fermo, welche sich entschlossen hatten, die kirchliche Laufbahn einzuschlagen, damit sie hier vor allem Theologie und Kirchenrecht studierten. So wurde die Einrichtung von Seminaren, die erst 1563 durch das Konzil von Trient beschlossen wurde, um ein Jahrhundert vorweggenommen. Capranica bereitete alles bestmöglich vor damit das Vorhaben gelingen konnte. Mit Immobilienerträgen stellte er den Unterhalt des Kollegs sicher: mit den Renditen von einem Haus mit Namen ‚Haus der zwei Türme’ bei Sant’Agostino und von einem weiteren an der Piazza di Pietra in der Pfarrei Santo Stefano del Trullo; die beiden Weiler außerhalb der Porta Maggiore, genannt ‚Boccamazzi’ und ‚Monumento’, die das Anwesen der ‚Sapienza’ bildeten, stellen das heutige Vorortviertel von ‚Tor Sapienza’ dar. Er legte genaue Regeln für jeden Aspekt des gemeinschaftlichen Lebens fest, wobei er persönlich dessen ‚Constitutiones’ verfasste: bedeutsam ist für jene Zeit, die nicht von übertriebener Strenge geprägt war, die Verpflichtung der zukünftigen Priester zur täglichen Hl. Messe, zum Zölibat, zum Gehorsam gegenüber dem Papst, zum beständigen Studium der Theologie und im Besonderen der Schriften des Thomas von Aquin. Die Schüler waren für ihre Leitung selbst zuständig, indem sie aus ihrer Mitte den Rektor, die Ratgeber und die Bibliothekare wählten, die von den Stadtherren bestätigt werden mussten und für ein Jahr im Amt blieben. Denn die Vormundschaft und die Verwaltung wollte Capranica der Autorität der Stadtväter, der Vorsteher der Stadtviertel und vor allem der Guardiane der Erzbruderschaften vom Heiligsten Erlöser ad Sancta Sanctorum (in die auch er selbst eingeschrieben war) anvertrauen, welche ihre Verfügbarkeit in diesem Sinne am 24. Dezember 1456 zusicherten. Am 5. Januar 1457 – das gilt als Gründungsdatum des Institutes - erfolgte die Übernahme der Güter. Domenico Capranica starb am 14. August 1458, nur wenige Tage nach dem Tod Papst Calixtus’ III., dem er – so schien es bereits ausgemachte Sache zu sein – hätte nachfolgen sollen: nur wenig trennte ihn also von der höchsten Anerkennung einer außergewöhnlichen Karriere. Beigesetzt wurde er in der Grabkapelle seiner Familie, die er 1449 in Santa Maria sopra Minerva erhalten hatte, der Kirche des Dominikanerordens, den er sehr schätzte; das Grabmonument, geschaffen von Bregno, hatte ihm sein Bruder Angelo errichtet, der sein Erbe und Testamentsvollstrecker wurde.

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